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October 2007 - German PDF Print E-mail

The International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis
Volume 55, Number 4 - October 2007 - German

 

Die neuronale Trance: Ein neuer Blick auf Hypnose
Herbert Spiegel

Zusammenfassung: Hypnose durchlief einen graduellen Wandel von einer scheinbar mystischen Erfahrung hin zu einem schlafähnlichen Zustand, dann hin zu einer psychologischen Verlagerung der Aufmerksamkeit, welche zugrunde liegende neurophysiologische Schaltkreise aktiviert. Es werden Daten vorgestellt, welche die These stützen, dass Hypnotisierbarkeit sich entlang eines Spektrums aus biologischen und psychosozialen Bestandteilen verstehen lässt. Wenn die bio-psycho-sozialen Bestandteile der Hypnotisierbarkeit, wie sie etwa im Hypnotic Induction Profile (HIP) gemessen werden, sich in Synchronie befinden, ist Psychotherapie die primäre Behandlungsstrategie und Medikation folgt, wenn überhaupt, nur an zweiter Stelle. Wenn die Messung allerdings ein Fehlen von Synchronie zwischen biologischen Faktoren (gemessen mit dem Augen-Roll-Zeichen) und psycho-sozialer Ansprechbarkeit anzeigt, sollte primär die Medikationsstrategie gewählt werden, ergänzt durch psycho-soziale Unterstützung.

 

Ein Überblick über die Effekte von Hypnose auf das Immunsystem bei Brustkrebspatientinnen: eine kurze Mitteilung
Kristin D. Hudacek

Zusammenfassung: Um eine Empfehlung bezüglich des Einsatzes von Hypnose als adjuvante Therapie in der Behandlung von Brustkrebs zu geben, wurden zwei Studien evaluiert, welche die immunologischen Auswirkungen von Hypnose bei Patientinnen mit Brustkrebs im frühen Stadium untersuchten: (a) ein Experiment, welches Patientinnen hypnotisch geleitete Vorstellungen beibrachte sowie  eine Studie, im Rahmen derer Patientinnen zu Hause besucht wurden und autogenes Training erhielten. Beide Untersuchungen ergaben, dass es zu Verbesserung im Bereich Depression kommt und dass die Anzahl von natürlichen Killerzellen nach zweimonatiger Hypnosebehandlung ansteigt. Allerdings konnte keine der beiden Studien die klinische Signifikanz von Hypnose bei der Behandlung von Krebs belegen. Deshalb sind in Zukunft weitere Experimente nötig, um die Auswirkungen von Hypnose auf Immunparameter zu harten klinisch bedeutsamen Merkmalen wie der Überlebensrate in Bezug zu setzen.

 

Genetik und funktionelle Bildgebung von Aufmerksamkeit und Hypnotisierbarkeit könnten den Plazeboeffekt erklären
Amir Raz

Zusammenfassung: Die Erforschung von Aufmerksamkeitsprozessen schlägt eine Brücke zwischen Psychologie und Neurowissenschaft und verdeutlicht die Zusammenhänge zwischen Gehirn und Verhalten. Wenigstens drei neuronale Module regeln Kontrollprozesse unter Verwendung verschiedener neuronanatomischer Substrate, Neuromodulatoren und psychologischer Prozesse. Geleitet von datenbasierten Gehirntheorien haben Forscher spezifische genetische Polymorphismen zu klar definierten Phänotypen in Bezug gesetzt, einschließlich solcher, die verschiedene attentionale Prozesse und Hypnose betreffen. Da Aufmerksamkeit kognitive und affektive Prozesse modulieren kann, wurde in letzter zeit damit begonnen, unter Verwendung von genetischen und bildgebenden Methoden individuelle Unterschiede zu untersuchen. Befunde genetischer Untersuchungen von Aufmerksamkeit und Hypnotisierbarkeit ermöglichen nun die Beantwortung von Fragen wie etwa nach den Unterschieden zwischen hoch- und gering hypnotisierbaren Individuen. Diese explorativen Befunde könnten ausgeweitet werden auf die Identifikation von plazeboempfänglichen Personen.

 

Emotionalen Erinnerungen ohne entsprechende Gefühle: Eine Untersuchung von hypnotisch vermittelter, emotionaler Taubheit: ein Kurzbericht
Richard A. Bryant und Samantha Fearns

Zusammenfassung: Diese Studie untersuchte den Einfluss von hypnotisch vermittelter Inhibition auf emotionale Reaktionen auf emotionale Merkmale autobiographischer Erlebnisse sowie auf deren Erinnerung.  29 hochhypnotisierbare Teilnehmer durchliefen eine Hypnoseinduktion und entweder eine Suggestion zur Emotionsunterdrückung oder Kontrollinstruktionen. Anschließend wurden sie gebeten, eine persönliche, stressbelastete oder neutrale autobiographische Erinnerung abzurufen. Als abhängige Variablen wurden der emotionale Selbstbericht, das corrugator-EMG und die Verwendung affektiver Deskriptoren des abgerufenen Inhalts erfasst. Die Teilnehmer der Unterdrückungsbedingung wiesen für die Erinnerung stressbelasteter Ereignisse eine geringere emotionale Responsivität auf den Variablen Selbstbericht und corrugator-EMG auf als die Kontrollgruppe. Demgegenüber zeigte sich kein Einfluss der emotionalen Unterdrückung auf die Gebrauch affektiver Deskriptoren bei der Schilderung persönlicher Erlebnisse. Diese Befunde wiesen auf die Möglichkeit hin, mittels hypnotisch vermittelter emotionaler Inhibition affektive und semantische Komponenten der emotionalen Reaktion zu beeinflussen.

 

Hypnotisches Ausagieren während Dissoziation löst chaotische Muster elektrodermaler Aktivität aus
Petr Bob

Zusammenfassung: Chaotische Transitionen treten bei verschiedenartigen kognitiven Phänomenen auf und können möglicherweise mit spezifischen Veränderungen während der Entstehung psychischer Störungen in Verbindung gebracht werden. Es gibt verschiedene Hypothesen, welche die Dissoziation zu kritischen chaotischen Verschiebungen in Verbindung bringen mit der resultierenden Selbstorganisation von Verhaltensmustern während kritischer Perioden. Bei zwei Patienten  wurden zu Forschungs- und Therapiezwecken dissoziierte Traumata mittels Hypnose aktualisiert, wobei zusätzliche bilateral die elektrodermale Aktivität (EDA) erfasst wurde. Nichtlineare Analysen der EDA-Aufzeichnungen ergaben einen Unterschied im Ausmaß des Chaos im hypnotischen Entspannungszustand vor der Reaktualisierung der Traumata und dem dissoziierten Zustand nach der Aktualisierung der traumatischen Erinnerungen. Die Ergebnisse legen nahe, dass der dissoziierte Zustand nach der Aktualisierung der Traumata signifikant chaotischer ist als der Zustand während der hypnotischen Entspannung zuvor. Die Ergebnisse der Studie deuten eine mögliche Rolle des neuronalen Chaos bei der Verarbeitung der dissoziierten traumatischen Erinnerungen während hypnotischer Aktualisierung an.

 

Umsetzbarkeit und Akzeptanz von Magen-Darm-orientierter Hypnose auf entzündliche Darmerkrankungen: Ein Kurzbericht
Laurie Keefer und Ali Keshavarzian

Zusammenfassung:  Hypnotisch vermittelte Behandlungen wurden eingesetzt zur Stressreduktion, zur Förderung der gastrointestinalen Beweglichkeit, Förderung von Immunfunktionen sowie zur möglichen Reduktion von Entzündungen. Solche Behandlungen könnten ebenfalls hilfreich sein bei der Reduktion der Symptomatik und zur Erhöhung der Lebensqualität bei entzündlichen Darmerkrankungen.  Die Autoren berichten die Ergebnisse einer Fallreihe von 8 weißen Patientinnen mit inaktiver entzündlicher Darmerkrankung. Alle Teilnehmerinnen begannen die Behandlung und führten diese zu Ende, was für die generelle Akzeptabilität von hypnotisch vermittelten Behandlungen bei Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen spricht. Es gab eine signifikante Verbesserung bezüglich der krankheitsbezogenen Lebensqualitätsskalen (29 Punkte mittlere Verbesserung, t(7) = -3.38, p = .01)  und signifikanten Veränderungen aller vier Subskalen. Es wurden keine negativen Auswirkungen der Behandlung festgestellt.

 

Hypnotische Förderung des kreativen Zeichnens
James R. Council, Kimble A. Bromley, Darya L. Zabelina und Cathy G. Waters

Zusammenfassung: Eine hypnosebasierte Intervention zur Förderung von Kreativität beim Zeichnen wurde im Rahmen einer kontrollierten Studie evaluiert. Die Teilnehmer wurden zufällig zu einer der beiden Gruppen zugewiesen ( Hypnose - vs. nichthypnotische Kontrollgruppe mit  aufgabenbezogen motivationsfördernden Inhalten). Die Teilnehmer zeichneten zweimal ein standardisiertes Stillleben. Die erste Zeichnung beinhaltete keinerlei spezielle Instruktionen und stellte eine Baseline-Messung der zeichnerischen Kreativität dar. Die zweite Zeichnung wurde nach der kreativitätsfördernden Intervention erstellt. Die Zeichnungen wurden „blind“ auf verschiedenen Dimensionen artistischer Kreativität beurteilt. Hypnotisierbarkeit, Absorption und Aufklärungsmaße wurden ebenfalls erhoben. Die Ergebnisse legen nahe, dass die hypnotische Prozedur  signifikant stärkere Auswirkungen auf die Kreativität beim Zeichnen hatte. Allerdings gab es keine signifikanten Haupteffekte oder Interaktionen mit Hypnotisierbarkeit und Absorption. Die Gruppen mit Hypnose bzw. aufgabenbezogen motivierenden Texten unterschieden sich nicht bezüglich der abschließenden Fragen nach ihrer Erfahrung.

 

Literarische Restauration des bruchstückhaft übermittelten Falls von Antoine Despines MAgnetischer Kur der dissoziativen Störung der Esstelle L’Hardy
Joanne M. McKeown

Zusammenfassung: Dr. Charles-Humbert Antoine Despines (1777-1852) Arbeit mit dem Titel De L’Emploi du magnétisme animal et des eaux minerales dans le traitement des maladies nerveuses, suivi d’une observation très curieuse de guérison de névropathie [Eine Untersuchung des Einsatzes von animalischem Magnetismus bei der Behandlung von Störungen des Nervensystems, nebst einem Fall einer sehr ungewöhnlichen Heilung von Neuropathie ] (Paris: Germer, Baillière, 1840) ist eine der ersten veröffentlichten, kompletten Fallbeschreibungen einer Behandlung von dissoziativer Störung mit Hilfe des animalischen Magnetismus. Despines methodische und behutsame Behandlung von über 20 Personen mit multipler Persönlichkeit brachte vielfach Vereinigung wo zuvor Spaltung vorherrschte. Sein Schreibstil zeugt von einem Fehlen an Ordnung und Einheit,  das die dissoziative Symptomatik seiner Patienten widerspiegelt, aber die Schludrigkeit der Monographie entspricht nicht Despines methodischer Herangehensweise an seine Arbeit und seinen bedachten Umgang mit seinen Patienten. Dieser Bericht zeigt solche Inkonsistenzen auf und bespricht, wie Übersetzer des Werks als literarische Therapeuten seiner konfusen und fragmentierten Beschreibungen wirken.

 
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