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January 2011 - German PDF Print E-mail

The International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis
Volume 59, Number 1 - January 2011 - German

 

Ein Fremder im Spiegel: Entwicklung und Herausforderung einer Fehlidentifizierung des eigenen Spiegelbildes unter Hypnose
AMANDA J. BARNIER, ROCHELLE E. COX, MICHAEL CONNORS, ROBYN LANGDON UND MAX COLTHEART

Abstract: 
Der vorliegende Artikel beschreibt eine Studie, in der Hypnose verwendet wurde, um temporär eine Fehlidentifizierung des eigenen Spiegelbildes zu schaffen, genauer gesagt die eingebildete Überzeugung, dass die Person in einem Spiegel ein Fremder sei. 
Nach der Suggestion unter Hypnose, einen Fremden im Spiegel zu sehen, beschrieben hoch hypnotisierbare Probanden, dass sie eine fremde Person mit von ihrem eigenen Aussehen abweichenden physikalischen Eigenschaften im Spiegel sehen würden. Während die Überzeugungen der Probanden eindeutig falsch waren, jemanden Fremden im Spiegel sehen zu können, hatten sie hingegen keine Schwierigkeiten, etwaige Erklärungen für die Präsenz des Fremden zu finden. Die Autoren testeten die Resistenz dieser Überzeugungen mit klinisch inspirierten Herausforderungen. Obwohl visuelle Herausforderungen die Täuschung meistens durchbrachen (bspw. das Erscheinen des Hypnotiseurs im Spiegel unmittelbar neben dem Subjekt), hielten einige Probanden die Einbildung über alle Herausforderungen hinweg weiterhin aufrecht. Die Befunde werden Rahmen gängiger Theorien zu Wahnideen diskutiert und heben die Vorteile der Verwendung von Hypnose bei der Erforschung wahnhafter Überzeugungen hervor.

 

Die Modulation chronischer Rückenschmerzen wird durch hypnotische Suggestion im Rahmen der Schmerztherapie durch Schaffung eines emotionalen Netzwerks gesteigert: 
Eine PET-Bildgebungs Studie
FANNY NUSBAUM, JÉRÔME REDOUTÉ, DIDIER LE BARS, PIERRE VOLCKMANN, FRANÇOIS SIMON, SALEM HANNOUN, GÉRARD RIBES, JACQUES GAUCHER, BERNARD LAURENT UND DOMINIQUE SAPPEY-MARINIER

Abstract:
Diese Studie zielte darauf ab, die bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen während einer Hypnoanalgesie beteiligten neuronalen Netze zu charakterisieren. Das PET wurde während zwei unterschiedlichen Bewusstseinszuständen durchgeführt (bei normaler Aufmerksamkeit und unter Hypnose). Zwei Gruppen von Patienten erhielten entweder direkte oder indirekte analgetische Suggestionen. Bei normaler Aufmerksamkeit zeigten sich Aktivierungen in einem kognitiv-sensorischen, den Schmerz modulierenden Netzwerk einschließlich des frontotemporalen Kortex, der Insula, des somatosensorischen Kortex und des Kleinhirns. Im hypnotischen Zustand wurde dagegen ein Modulationsnetzwerk für emotionale Schmerzen einschließlich dem frontotemporalen Kortex, der Insula, dem Caudatus, dem Nucleus accumbens, der linsenförmigen Kerne und des anterioren cingulären Cortex (ACC) aktiviert. Direkte Suggestionen aktivierten kognitive Prozesse im frontalen, präfrontalen und orbitofrontalen Kortex, während indirekte Suggestion ein verteilteres und emotionaleres Netzwerk einschließlich dem frontalen Kortex, der anterioren Insula, dem unteren Parietallappen, der Linsenkerne und dem ACC aktivierten. Durch visuelle Analogskala Daten (VAS) bestätigt legen die Ergebnisse dieser Studie nahe, dass die Modulation chronischer Schmerzen unter Zuhilfenahme von Hypnose, wo beide aktivierten Netzwerke beeinflusst werden, stärker ist.

 

Effekte von Selbsthypnose-Training und kognitiver Umstrukturierung auf die Schmerzintensität und die Katastrophisierung  bei Menschen mit Multipler Sklerose und chronischen Schmerzen

MARK P. JENSEN, DAWN M. EHDE, KEVIN GERTZ, BRENDA L. STOELB, TIARA M. DILLWORTH, ADAM T. HIRSH, IVAN R. MOLTON UND GEORGE H. KRAFT

Abstract: 
Fünfzehn Erwachsenen mit multipler Sklerose wurden insgesamt 16 Sitzungen einer Behandlung bei chronischen Schmerzen angeboten, welche in 4 Sitzungen mit jeweils 4 unterschiedlichen Behandlungsmodulen unterteilt war: Eine (1) Edukations-Kontroll Intervention, (2) ein Selbst-Hypnose Training (HYP), (3) die kognitive Umstrukturierung (CR) und (4) eine kombinierte Intervention aus Hypnose und kognitiver Umstrukturierung (CR-Hyp). Die Ergebnisse dieser Studie stützen die These eines größeren positiven Effekts der HYP (im Verhältnis zur CR) auf die durchschnittliche Schmerzintensität. Bei der CR-HYP Behandlung zeigten sich  stärkere positive Effekte als bei einer reinen CR oder dem reinen HYP.  Zukünftige Forschungen sollten daher die Wirksamkeit von Intervention, die CR und HYP miteinander verbinden, weiter untersuchen.

 

Erleichtern Standards für Design und Berichterstattung von Nichtpharmakologischen Tests Hypnotherapiestudien?
ISABELLE MARC, MARIE-CLAUDE PELLAND-MARCOTTE ET EDZARD ERNST

Abstract:
Das Design und die Qualität von 30 bisherigen Hypnotherapiestudien (zwischen den Jahren 2000-2008) wurden anhand der Checkliste zur Bewertung eines Berichts einer nichtpharmakologischen Behandlung (CLEAR-NPT) beurteilt. Eine randomisierte Zuordnung der Probanden erfolgte in 53% der Studien. Eine Maskierung der Teilnehmer und der Betreuungspersonen ist bei Hypnotherapiestudien nicht durchführbar. Eine Maskierung des Gutachters wird bei RCT nur selten durchgeführt (27%).
Die Berichterstattung und die Qualität der veröffentlichten Hypnotherapiestudien müssen verbessert werden. Die Forscher können die Studienqualität anhand der CLEAR-NPT prüfen, aber das Augenmerk sollte auf der Dokumentation der Interventionsadhärenz, der Standardisierung von Co-Interventionen, der Erwartungen und Überzeugungen der Teilnehmer und der Betreuungspersonen und schließlich auch der Hypnotisierbarkeit liegen.

 

Zur Geschichte der Dissoziativen Identitätsstörungen in Deutschland: Der Arzt Justinus Kerner und das Mädchen von Orlach oder Besessenheit als "Austausch des Selbst"
BURKHARD PETER

Abstract: 
Die Geschichte der Hypnose ist sehr eng mit dem Thema „Besessenheit“ verbunden. Eine dieser  Verbindungen ist die Tatsache, dass der Vorläufer der Hypnose, der animalische Magnetismus, den Exorzismus im Jahre 1775 ablöste, als Franz Anton Mesmer gegen den Exorzismus von Pater Johann Joseph Gassner aussagte. Moderne Autoren haben bemerkenswerte Gemeinsamkeiten zwischen den Stadien der Besessenheit und der Dissoziation beobachtet. Die Behandlung der Besessenheit durch den animalischen Magnetismus und den Exorzismus respräsentiert die spezielle romantische Magnetfeldtherapie des deutschen Arztes Justinus Kerner aus dem frühen 19. Jahrhundert. Dieses Paper beschreibt den Mann, seine Methoden und sein Denken und präsentiert eine seiner berühmtesten Fallstudien, das Mädchen von Orlach, welche nach heutigen Maßstäben einen echten Fall einer dissoziativen Identitätsstörung (DID) darstellt. Dieses Papier beschreibt, wie moderne Prinzipien der Behandlung verwendet und kontroverse Fragen über das Wesen und die Ursachen der DID vor 175 Jahren diskutiert wurden.

 

Eine randomisierte kontrollierte Studie über die Wirkung von Hypnose mit einer 3D Virtual Reality Animation auf Müdigkeit, Stimmung und den Kortisolgehalt im Speichel
TREVOR THOMPSON, TONY STEFFERT, ANTHONY STEED UND JOHN GRUZELIER

Abstract: 
Bisherige Fallstudien deuten darauf hin, dass Hypnose mit einer Virtuellen-Realitäts-Komponente (VR) eine effektive Intervention sein könnte, wobei bisher nur wenige randomisierte, kontrollierte Follow-up Studien in diesem Bereich durchgeführt wurden, die einen Vergleich solcher Interventionen mit der hypnotischen Standardbehandlung ermöglichen. 35 gesunde Teilnehmer wurden randomisiert und den Gruppen Selbsthypnose mit VR-Bildpräsentation, Standard-Selbsthypnose, Entspannung oder Interventionen zugeteilt. Es wurden die Veränderungen des Schlafes, des Kortisolspiegels und der Stimmung gemessen. Die Selbsthypnose-Intervention beinhaltete insgesamt zehn 20-minütige Sitzungen, in denen den Probanden ein gesundes Immunsystem-Szenario visualisiert wurde. Die Eigenschaft, sich in eine Aktivität vertiefen zu können, wurde auch als möglicher Moderator aufgezeichnet. Bei einer moderierten Regression zeigte sich, dass beide Hypnoseinterventionen zu deutlich niedrigeren Müdigkeitsratings führten, als dies bei der Entspannungsintervention der Fall war, wenn die Fähigkeit sich in eine Aktivität vertiefen zu können hoch war. Wenn diese Fähigkeit gering war, resultierte die Nutzung der VR in signifikant höheren Engagementratings, wobei dies nicht zwangsweise zu nennenswerten Verbesserungen in den Ergebnissen führte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die VR-Bildgebung das Engagement im Vergleich zu traditionellen Methoden erhöhen könnte, aber es sind weitere Erforschungen des Potenzials zur Verbesserung der therapeutischen Wirksamkeit erforderlich.

 

Hypnotische Reaktionsfähigkeit: Erwartung, Einstellungen, Neigung zur Fantasie, Absorption und Geschlecht
JOSEPH P. GREEN UND STEVEN JAY LYNN

Abstract: 
In dieser Studie wurde die Wirkung der Bereitstellung von Informationen untersucht, die die Einstellungen der Teilnehmer ggü. der Hypnose mit der späteren hypnotischen Leistung verknüpfen. Mit den Gesamtskalenwerten der McConkey's Opiniions About Hypnosis-Skala sowie Subskalenwerten  fanden die Autoren bei 460 studentischen Teilnehmern eine schwache Assoziation zwischen der Einstellung und der Leistung, allerdings blieb die Korrelation von der prähypnotischen Information speziell bei der Verknüpfung von Einstellungen und Leistung unbeeinflusst. Eine kurze 3-Item Messung der hypnotischen Erwartungen erzeugte die stärkste Korrelation mit der tatsächlichen hypnotischen Reaktionsfähigkeit. Die Autoren fanden auch heraus, dass die Assoziation zwischen der Neigung zur Phantasie und der Hypnotisierbarkeit von der Reihenfolge der Skalenadministration unberührt blieb. Darüber hinaus hebt die Studie geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Messung der  Neigung zur Phantasie, der Absorption, der Erwartung und de Hypnotisierbarkeit hervor.

 
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