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January 2006 - German PDF Print E-mail

 

The International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis
Volume 54, Number 1 - January 2006 - German
Special Issue on IBS

 

Beim Reizdarmsyndrom (RDS) handelt es sich um eine chronische funktionelle Störung des gastrointestinalen Systems. Die Symptome bestehen in abdominalem Schmerz mit veränderter Stuhlgangsfrequenz und -konsistenz sowie weiteren Symptomen im Darmbereich. Vom RDS sind zwischen 10 und 15 % der erwachsenen Bevölkerung betroffen, die Ätiologie ist komplex und kaum verstanden. Die Störung führt zu einer erheblichen finanziellen Belastung des Gesundheitswesens sowie zu emotionalem und körperlichem Leiden, zu verminderter Lebensqualität sowie einer Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit bei vielen Betroffenen.

Die konventionelle medizinische Behandlung des RDS erweist sich bei mehr als der Hälfte aller Patienten als unzureichend, so daß erhebliche und chronische Symptome bestehen bleiben. Intensive Anstrengungen richten sich daher auf die Suche nach alternativen Therapien, um die Ergebnisse der RDS-Behandlung zu verbessern. Bis dato liegen für die Effektivität der Hypnose bei der Behandlung des RDS (neben der kognitiven Verhaltenstherapie) die meisten empirischen Belege vor.

Ein Dutzend publizierter Studien belegt, daß die Behandlung mit Hypnose einen substantiellen und breiten therapeutischen Einfluß auf die Mehrzahl der RDS-Patienten hat. Die Darmsymptome werden verbessert, das psychische Befinden und die Lebensqualität steigen und die Veränderungen haben über Jahre hinweg Bestand.

In dieser Spezialausgabe des International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis wird ein Überblick über die Evidenzen für den nutzbringenden Einsatz von Hypnose in der Behandlung des RDS geliefert und es wird dargestellt, wie solch eine Behandlung am erfolgreichsten durchgeführt werden kann. Dr. Whiteheads Artikel beinhaltet einen vollständigen, systematischen Überblick der publizierten

Studien auf diesem Gebiet. Die beiden Artikel von Dr. Whorwell und Dr. Gonsalkorale beschreiben detailliert den sehr erfolgreichen und gut erforschten Ansatz ihres Teams aus Manchester. Der Artikel von Dr. Palsson befaßt sich mit der Entwicklung, dem Einsatz und der empirischen Überprüfung des North Carolina Protokolls, des einzigen komplett verskripteten Ansatzes in der RDS-Behandlung. In dem Artikel von Dr. Simren wird die Frage behandelt, inwieweit die bisherige Forschungsarbeit zur Aufklärung der Wirkmechanismen von Hypnose in der RDS-Behandlung beigetragen hat. Am Ende dieser Spezialausgabe befassen sich zwei Studien mit weiteren Möglichkeiten dieses Ansatzes. Eine Pilotstudie von Dr. Palsson und Kollegen legt nahe, daß eine zu Hause via Kopfhörer durchgeführte hypnotische Behandlung gegen RDS hilfreich sein kann und eine Pilotstudie von Drs. Barabasz und Barabasz enthält Hinweise auf potentielle Vorteile der Individualisierung hypnotischer Induktionen bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms.

 

Hypnose beim Reizdarmsyndrom: Empirische Evidenz für therapeutische Effekte
William E. Whitehead

Zusammenfassung: Beim Reizdarmsyndrom (RDS) handelt es sich um eine komplexe und häufig vorkommende funktionelle Störung des gastrointestinalen Systems, die von der Schulmedizin nur begrenzt behandelt werden kann. Hypnotische Behandlung gilt, neben kognitiv-behavioralen Strategien, als die am besten erforschte psychologische Intervention bei RDS. Elf Untersuchungen, darunter fünf kontrollierte Studien, haben die therapeutischen Effekte von Hypnose beim RDS untersucht. Obwohl in diesem Forschungsfeld noch Defizite bestehen, wie etwa geringe Stichprobengrößen und das Fehlen von Parallelvergleichen mit anderen Behandlungsmethoden, konnte konsistent gezeigt werden, daß Hypnose über ein erhebliches therapeutisches Potential in der RDS-Behandlung verfügt, und zwar selbst bei Patienten bei denen nach medizinischer Standardbehandlung keine Verbesserung eintrat. Der Median der Erfolgsrate hypnotischer Behandlung liegt bei 87%, die Darmsymptomatik geht um durchschnittlich ca. 50% zurück, psychische Symptome und Lebensqualität verbessern sich infolge der Behandlung und die erzielten therapeutischen Veränderungen bestehen bei den meisten Patienten auch nach Abschluß der Behandlung über Jahre hinweg fort.

 

Effektive Handhabung des Reizdarmsyndroms - Das Manchster-Modell
Peter J. Whorwell

Zusammenfassung: In den vergangen Jahren haben Forscher nachgewiesen, daß Hypnosetherapie außerordentlich hilfreich im Umgang mit refraktärem Reizdarmsyndrom ist. Allerdings handelt es sich um eine laborintensive Behandlungsmodalität mit begrenzter Erfolgsrate, die nicht für jeden gleichermaßen geeignet ist. Am besten läßt sie sich daher in ein "graduated-care"-Programm integrieren, welches über einen Alternativplan für die Behandlung von Patienten verfügt, falls diese nicht auf die besondere Behandlungsform ansprechen. In diesem Artikel wird beschrieben, wie Hypnosetherapie erfolgreich in das Konzept der funktionellen Gastroenterologie in Manchester intergriert wurde.

 

"Magen-Darm-Hypnose": Das Manchester-Modell der Behandlung des Reizdarmsyndroms
Wendy M. Gonsalkorale

Zusammenfassung: In diesem Artikel wird darauf eingegangen, wie Hypnose als Ergänzung in der Behandlung des Reizdarmsyndroms (RDS) zum Einsatz kommt. Dieser Ansatz wurde innerhalb der Medizinischen Abteilung am Universitätsklinikum South Manchester (GB) seit den achtziger Jahren entwickelt. Die Patienten nehmen über 3 Monate hinweg an bis zu zwölf Sitzungen teil. Bei einer Mehrzahl der Patienten führt dies zu einer bedeutsamen Verbesserung der Symptome und der Lebensqualität und dieser Effekt hält im allgemeinen an. Die Therapie beinhaltet ein auf die Eingeweide gerichtetes Hypnosemodell, das darauf abzielt, den Patienten die notwendigen hypnotischen Fähigkeiten zu vermitteln, um Darmfunktionen kontrollieren und die Symptome reduzieren zu können, darunter etwa der Einsatz von Handwärme im Unterleibsbereich sowie Vorstellungen. Weitere Interventionen zu speziellen Lebensgewohnheiten und zu psychologischen Faktoren, welche die Symptome beeinflussen, werden entsprechend ihrer Indikation für einzelne Patienten durchgeführt.

 

Standardisierte hypnotische Behandlung des Reizdarmsyndroms: Das North Carolina Protokoll
Olafur S. Palsson

Zusammenfassung: Beim North Carolina Protokoll handelt es sich um ein auf sieben Sitzungen verteiltes hypnoseorientiertes Therapieprogramm, im welchem - bislang einmalig - die gesamte Behandlung auf eine wortgetreue Anwendung ausgelegt ist. Das Protokoll wurde in zwei veröffentlichten Studien überprüft, bei denen mehr als 80% der Patienten profitierten. In diesem Artikel werden Entwicklung, Inhalt, Evaluation des Protokolls sowie sein Einsatz in der klinischen Praxis beschrieben.

 

Hypnose beim Reizdarmsyndrom: Die Suche nach dem Veränderungsmechanismus
Magnus Simrén

Zusammenfassung: Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine in der westlichen Welt häufig vorkommende Störung, die in der Praxis eines Gastroenterologen erheblichen Raum einnimmt. Leider sind weder Pathogenese noch Pathophysiologie des Syndroms gut verstanden und die Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt. Hypnosetherapie stellt allerdings eine der Behandlungsmöglichkeiten dar, die sich als sehr nützlich in der Therapie des RDS erwiesen haben. Relativ wenig bekannt sind die Veränderungsmechanismen, die erklären könnten, weshalb Hypnosetherapie beim Reizdarmsyndrom wirksam ist. Neuere Studien haben hier allerdings einige Hinweise geliefert. Diese Studien werden in diesem Artikel überblicksartig dargestellt und es wird herausgearbeitet, was aus ihnen in Bezug auf die Art, wie Hypnose das RDS beeinflußt, folgt. Hypnose könnte das RDS zum Teil durch Veränderungen der kolorektalen Sensitivität und durch Verbesserung psychologischer Faktoren beeinflussen. Auswirkungen auf die gastrointestinale Motilität und auf das autonome Nervensystem sind weniger klar und erfordern weitere Forschungsanstrengungen.

 

Hypnotische Behandlung des Reizdarmsyndroms im natürlichen Milieu: Eine Pilotstudie
Olafur S. Palsson, Marsha J. Turner und William E. Whitehead

Zusammenfassung: Durch eine hypnotische Behandlung läßt sich das Reizdarmsyndrom (RDS) häufig verbessern, aber die Kosten und Abhängigkeit von spezialisierten Therapeuten beeinträchtigen die Verfügbarkeit einer Therapie. 19 RDS-Patienten führten ein an einem schriftlichen Hypnose-Leitfaden orientiertes 3-monatiges-Behandlungsprogramm zu hause durch, welches nachweislich alle zentralen Symptome lindert. Die Ergebnisse wurden mit denen von 57 RDS-Patienten aus einer anderen Studie verglichen, bei der nur die übliche medizinische Behandlung zum Einsatz kam. Zehn der Teilnehmer der Hypnose-Gruppe (53%) sprachen im 3-Montas-Follow-Up auf die Behandlung an (als Erfolgskriterium diente eine mehr als 50% Reduktion der RDS-Schwere), in der Kontrollgruppe dagegen waren es 15 (26%). Bei den Teilnehmern der Hypnose-Gruppe stiegen auch die Werte in der Skala Lebensqualität stärker an. Der Faktor Ängstlichkeit war ein Prädiktor eines geringen Therapieerfolgs. Auch im 6-Monats-Follow-Up blieb die Verbesserung der auf Hypnose ansprechenden Teilnehmer erhalten. Obwohl die Ansprechrate insgesamt unter derjenigen einer therapeutengebundenen Behandlung lag, verdoppelte eine hypnotische Behandlung im heimischen Milieu den Anteil der profitierenden Teilnehmer signifikant über sechs Monate hinweg.

 

Effekte von individuell angepaßten und manualisierten hypnotischen Induktionen bei Patienten mit komplexem Reizdarmsyndrom
Arreed Barabasz and Marianne Barabasz

Zusammenfassung: Mit dieser kleinen klinischen Pilotstudie wurde beabsichtigt, die Effekte von auf den einzelnen Patienten und die jeweilige Sitzung individuell angepaßten hypnotischen Induktionen im Vergleich zu Palssons manualisiertem Protokoll anhand vorläufiger Daten zu evaluieren. Maßgeschneiderte Instruktionen wurden auf der Basis von hypnosetherapeutischen und hypnoanalytischen Techniken aus A. Barabasz and J. G. Watkins (2005) entwickelt. Patienten (N=8), die zuvor auf keine Behandlung angesprochen hatten, wurden den Bedingungen zufällig zugeordnet. Bis auf den Vortest der Hypnosefähigkeit entsprach die Vorgehensweise in der manualisierten Gruppe exakt dem Protokoll von Palsson (1998). Bei den übrigen vier Patienten wurden auf dieselbe Weise vorgegangen, wobei allerdings die Induktionen individualisiert wurden. Alle achte Patienten zeigten unmittelbar nach der Behandlung und auch bei einem 10-Monats-Follow-Up günstige Reaktionen. Die Gruppe mit individuellen Induktionen wies nach der Behandlung keine behinderlichen Schmerzen, aber größeren emotionalen Streß auf als die manualisierte Gruppe. Die Gruppe mit individuellen Induktionen verbesserte sich weiter und lieferte nach zehn Monaten bessere Ergebnisse als die manualisierte Gruppe, während ihr emotionaler Streß, der noch beim Behandlungsende bestand, signifikant reduziert war.

 
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