October 2011 - German

 

 

The International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis
Volume 60, Number 4 - October 2011 - German

 

Manual-basierte Ego-State-Therapie (1 Sitzung) für PTSD (Combat-Stress-Injury und ASD), Teil1: Theorie.
ARREEDBARABASZ, MARIANNE BARABASZ UND JOHN WATKINS

Zusammenfassung: EST (Ego-State-Therapie) hat sich aus einem psychodynamischen Verständnis von Persönlichkeit als Produkt der Ego-States eines Individuums entwickelt, bei dem die Ego- und Objekt-energetisierten Elemente verbunden werden um mit traumatischem Erleben umzugehen.
Neurobiologische Studien bekräftigen zusehends Watkins Konzept der Kriegsneurose. Traumaerinnerungen werden aufgrund ihres Schweregrades in subkortikal-unbewussten Gehirnregionen gespeichert und können mittels der manualisierten EST Prozedur aktiviert werden - anders als durch herkömmliche kognitiv-behaviorale Therapien. Die Signatur des Traumas ist durch solch eine verbale, top-down Herangehensweise weder zugänglich noch auflösbar. EST stellt demgegenüber einen bottom-up Ansatz dar. Hypnose ermöglicht den Ausdruck von Ego-States auf eine physiologisch und psychologisch mächtige Art und Weise. Subkortikale Prozesse können aktiviert werden und lösen Affekt im Beisein des Therapeuten aus, der dem Patienten Ego-Stärke vermittelt. Daraufhin folgen Interpretation und Reintegration. Im Ergebnis ergibt sich eine rekonstruierte Persönlichkeit, die adaptiv und resilient ist.

 

HPV-Behandlung mit Hypnose: Psychodynamische Betrachtungen zur Psychoneuroimmunologie: Eine Kurzmitteilung:
DABNEY M. EWIN

Zusammenfassung: Es gibt verstärkt Evidenz dafür, dass die hypnotische Behandlung von Warzen (Humanes Papillomavirus, HPV) auf der Aktivierung einer Immunantwort basiert.  Es bleibt allerdings unklar, ob diese zellulärer oder systemischer Natur ist. Hypnose kann via direkter Suggestionen oder über analytische Hypnotherapie ausgeführt werden. Die Befundlage wird dargestellt und vier klinische Fälle, die für eine zelluläre Immunantwort sprechen, werden präsentiert.

 

Der Einsatz präoperativer Hypnose zur Reduktion postoperativer Schmerzen und Anästhesie-bezogener Nebenwirkungen
MICHAEL W. LEW, KATHY KRAVITS, CARLOS GARBEROGLIO UND ANNA CATHY WILLIAMS,

Zusammenfassung: Ziel dieses Pilotprojekts war es, den Einsatz von Hypnose als präoperative Intervention zu überprüfen. Die besonderen Merkmale dieser Studie waren dabei: a) standardisiertes, vom Pflegepersonal dargebotenes Hypnoseprotokoll, b) Intervention unmittelbar vor der Operation im Operationswarteraum und c) Hypnose für Brustkrebspatienten, welche generelle Anästhesie erhielten. Ein mixed-method Design wurde verwendet. Die Daten einer Interventionsgruppe  und einer Archivkontrollgruppe beinhalteten demographische Daten, Symptomeinschätzungen, Medikation, sowie die Dauer der OP, der Anästhesie und der Erholungszeit. Ein halbstrukturiertes Interview wurde bei der Interventionsgruppe durchgeführt. Eine Reduktion bezüglich Angst, Besorgnis, Nervosität, Trauer, Irritabilität und Stress wurde zwischen Baseline und Postintervention beobachtet. Demgegenüber stiegen Schmerz und Übelkeit an. Die Ergebnisse legen nahe, den Einsatz von Hypnose im Rahmen präoperativer Settings genauer zu untersuchen.

 

Hypnose und dentale Anästhesie bei Kindern: Eine kontrollierte prospektive Studie
ADELINE HUET, MARIE-MADELEINE LUCAS-POLOMENI, JEAN-CLAUDE ROBERT, JEAN-LOUIS SIXOU UND ERIC WODEY

Zusammenfassung: Die Autoren dieser prospektiven Studie nahmen ursprünglich an, dass Hypnose Angst und Schmerz bezüglich dentaler Anästhesie mildern würde. 30 Kinder (zwischen 5-12 Jahren) wurden zufällig zwei Gruppen zugeordnet, die entweder Hypnose (H) oder nicht Hypnose (NH) erhielten während die Anästhesie verabreicht wurde. Angst wurde mittels der Yale preoperative anxiety scale (mYPAS) bei Aufnahme in die Studie erfasst, ebenso beim Erstgespräch, beim Platznehmen auf dem Zahnarztstuhl und während der Anästhesie. Nach der Anästhesie wurden eine visuelle Analogskala und eine Variante des "objective Pain Score" (mOPS) eingesetzt, um die Schmerzintensität zu messen. Die Medianwerte der mYPAS und der mOPS lagen in der H-Gruppe signifikant unter denen der NH-Gruppe. In der H Gruppe hatten signifikant weniger Kinder keine oder nur geringe Schmerzen. Diese Studie legt nahe, dass Hypnose zur Angstreduktion und Schmerzlinderung bei Kindern während dentaler Anästhesie wirksam ist.

 

Hypnosefähigkeit und sensorimotorisches Gating - ein dopaminerger Mechanismus der Hypnose
RAZ LEVIN, URIELHERESCO-LEVY, SHANY EDELMAN, HAIM SHAPIRO, RICHARD P. EBSTEIN UND PESACH LICHTENBERG

Zusammenfassung: Es wurde postuliert, dass dopaminerge Mechanismen die Hypnosefähigkeit und das sensorimotorische Gating beeinflussen. In dieser Studie untersuchten die Autoren den Zusammenhang zwischen sensorimotorischem Gating - gemessen über die Präpuls-Inhibition (PPI) und der Hypnosefähigkeit - gemessen über die Stanford Hypnotic Susceptibility Scale, Form C (SHSS:C). Es wurde eine inverse Korrelation zwischen SSHS:C und der PPI beobachten. Dieser Befund, welcher eine frühere Studie repliziert, liefert weitere Evidenz für eine dopaminerge Grundlage der Hypnosefähigkeit. Die Studie legt weitere Forschungsschritte nahe und weist möglicherweise einen Weg auf, wie die Hypnosefähigkeit durch pharmakologische Intervention gesteigert werden könnte.

 

Spektral-Power und Kohärenz des Wach-EEG Waking bei Hoch- und Gering hypnosefähigen Versuchspersonen
ANNA V. KIRENSKAYA, VLADIMIR Y. NOVOTOTSKY-VLASOV UND VYACHESLAV M. ZVONIKOV

Zusammenfassung: EEG Spektralpower und -Kohärenz wurden während einer Wachbaseline-Bedingungen bei 19 hoch (HH) und 12 gering (LH) hypnosefähigen Versuchspersonen gemessen. Bei den HH-Versuchspersonen waren die Theta1 und Theta2-Spektralpower höher als bei den LH. Der wichtigste neue Befund der vorliegenden Studie ist dass die Kohärenz zwischen entfernten Hirnregionen innerhalb der Alpha- und Theta-Bänder bei HH-Versuchspersonen deutlich unterschiedlich ist. Demgegenüber war die Spektralpower und Kohärenz des Beta2 und Gamma1-Bandes bei LH Versuchspersonen höher als bei HH Versuchspersonen. Es könnte vermutet werden, dass HH Versuchspersonen eher zu imaginativen Prozessen neigen, LH Personen eher zu linguistischen. Die neurophysiologische Basis der beobachteten EEG Unterschiede wird erörtert.

 

Effekte hypnotisch fokussierter Analgesie auf die Zahn-Schmerz-Schwelle
ENRICO FACCO, EDOARDOCASIGLIA, SERENAMASIERO, VALERYTIKHONOFF, MARGHERITAGIACOMELLO UND GASTONEZANETTE

Zusammenfassung: Die Häufigkeit, Intensität und Selektivität hypnotisch fokussierter Analgesie (HFA) wurde mithilfe einer Zahnmark-Stimulation überprüft. 31 gesunde Versuchspersonen wurden hypnotisiert und hypnotische Suggestionen zur Analgesie des rechten Mandibularbogens wurden verabreicht. Zudem wurde die posthypnotische Suggestion zur fortwährenden Analgesie gegeben. Die Schmerzschwelle der ersten Backenzahns wurde vor, während und nach Hypnose mithilfe eines Zahnmarktesters bilateral gemessen. Während Hypnose stieg die Schmerzschwelle beidseitig signifikant  an (p<.0001). Die rechte Schmerzschwelle war auch posthypnotisch signifikant erhöht (p<.0015) gegenüber der Basisbedingung.

 

Hypnose im Labor als Mittel zur Untersuchung von Psychopathologie:
MICHAEL R. NASH UND ALBERT WONG

Zusammenfassung: Die Autoren beschreiben 3 Studien bei denen nicht Hypnose selbst untersucht wird, sondern vielmehr Hypnose als Mittel dient, um anomale Zustände im Labor zu erzeugen, und um diese dann unter kontrollierten Bedingungen untersuchen zu können. Der erste Artikel besteht aus einem umfassenden Bericht über die Forschung bei der Hypnose eingesetzt wird, um klinisch relevante Delusionen zu erzeugen. Der zweite Artikel bespricht Studien bei denen die Hirnaktivität von hysterisch/dissoziativen Patienten mit Nicht-Patienten unter Hypnose und nach Suggestionen bezüglich sensorisch-motorischen und kognitiver Änderungen, die für die klinischen Syndrome charakteristisch sind, verglichen wurde. Die Autoren schließen daraus, dass die hypnotischen Modelle relevant und aufschlussreich sind. Der dritte Artikel beschreibt ein Experiment, bei dem Hypnose eingesetzt wurde, um belastende und intrusive Erinnerungen hervorzurufen, ähnlich wie bei akuten Angststörungen. Die Befunde mit hypnotischen Versuchspersonen passen dabei zu denen von Patienten mit intrusiven Gedächtnisstörungen. Über alle drei Artikel hinweg erweist sich Hypnose als praktikable und nützliche Methode der experimentellen Psychopathologie.